Ahoi Matrosen setzt die Segel!
Gewitter sind doch überall gleich, denke ich und verlasse ohne Schirm des Haus. Auf der Zugfahrt stelle ich fest: die Blitze hier sind schon ein wenig größer, die müssen schließlich das ganze Ruhrgebiet umspannen. Gigantische Zugfahrt, solange man nicht aussteigen muss. Hatte ich am Frühstückstisch noch sehnsüchtig an meine Regenjacke gedacht, würden mir da draußen nicht mal mehr Gummistiefel helfen. Vielleicht war es doch nicht nur ein Gewitter, sondern eher so etwas, was sich Unwetter nennt!
Einmal ankomme heißt es: neue Station, neue Mentorin und überhaupt alles ganz anders. Wir besuchen an diesem Vormittag eine Reihe von Patienten, die mehr oder weniger alle Probleme beim schlucken haben. Das heißt, ihr Schluckreflex wird entweder gar nicht oder nur verspätet ausgelöst. Die Folge: es kann Nahrung, Flüssigkeit oder Speichel in die Lunge geraten, was meist eher keine guten Prognosen bedeutet, wenn ein Patient eh schon geschwächt im Krankenhaus liegt. Ich habe immer gewusst, dass irgendwann der Tag kommen musste, an dem mir das erste Mal ein Trachealkanülenpatient mit geblockter Kanüle begegnen würde. Dass es an diesem Donnerstag Vormittag geschehen sollte, damit hatte ich nicht gerechnet. Diagnose: Dilatative Kardiomyopathie. Klingt grausam? Und ob. Ein 20 m² großes Zimmer, vollgestopft mit Geräten, die permantent in den unterschiedlichsten Tönen piepen, Schläuche, die fauchen, Monitore, die blinken. Das Bett ist leer, als wir hereinkommen sitzt der Patient auf einem Stuhl daneben und sieht eine Meerestiersendung. Er wendet den Kopf zu uns, als wir ihn ansprechen, bewegt die Lippen, doch es kommt kein Ton. Um diverse Beurteilungen durchführen zu können, weist die Logopädin eine Krankenschwester an, die Kanüle zu entfernen. Der Beatmungsschlauch wird abgenommen und über eine Atemmaske, die vor dem Stoma liegt werden dem Patienten weiterhin 100% Sauerstoff verabreicht. Alles noch ziemlich in Ordnung für mich, neu eben. Dann kommt der Moment, in dem Schwester und Logopädin zusammenarbeiten. Die eine entblockt die Kanüle und die andere saugt das Sekret, das in die Luftröhre geraten ist, ab. Bislang hatte ich immer geglaubt, dass ich damit kein Problem haben würde, dass ich über die Ekelstufe von Schleim, Borken, Blutverkrustungen und Nahrungsresten hinweg war, doch mit einem Blick auf den Schlauch und das, was in ihm durchjagt, rebelliert mein Magen und der Würgereflex setzt ein. Zum Glück stehe ich neben der Tür und ich kann schnell in den Gang schlüpfen. Ein Team von Ärzten und Pflegepersonal sieht mich unerwartet an. Ja, ich muss kotzen! - steht wohl auf meiner Stirn geschrieben, denn sie weisen mir sofort den Weg. Vor dem Spiegel auf der Toilette merke ich, wie langsam ein Gefühl in meine Beine zurückkehrt, die Übelkeit versiegt und das Rauschen in den Ohren aufhört. Einen Moment gebe ich mir noch Zeit, die da draußen haben wichtigeres zu tun. Als wir die Station verlassen, gestehe ich der Logopädin, noch nie beim Absaugen zugesehen zu haben und es auch bei diesem einem Mal bleiben soll. Sie schaut irritiert, teilt meine Meinung darüber nicht. Ich glaube, ich habe mich heute entschieden und bin erleichtert. Eine Vertiefung in der Logopädie, die ich ausschließen kann und das nicht einmal sonderlich wehleidig. Minus eins, dafür bleiben noch ungefähr gefühlte Hunderte weitere.
Nach meiner wohlverdienten Mittagspause, werde ich weitergereicht an eine andere Kollegin, die Schal- und Schuhfrau. Doch heute geht es auf die Parkinsonstation und mit einem mal wird mir wieder bewusst, dass wir hier in einem Krankenhaus sind. Ich stelle fest, dass das Krankenhausarbeiten rein gar nichts mit dem gemein hat, wie ich es mir vorgestellt habe in einem Krankenhaus zu arbeiten. Im Augenblick weiß ich noch nicht, ob ich es wirklich besser oder schlechter finde, ob es tatsächlich oder gerade etwas für mich wäre. Aber ich habe ja auch noch Zeit, so eingefähr eine Woche, ein viertel Jahr, bis zum Sommer.
Einmal ankomme heißt es: neue Station, neue Mentorin und überhaupt alles ganz anders. Wir besuchen an diesem Vormittag eine Reihe von Patienten, die mehr oder weniger alle Probleme beim schlucken haben. Das heißt, ihr Schluckreflex wird entweder gar nicht oder nur verspätet ausgelöst. Die Folge: es kann Nahrung, Flüssigkeit oder Speichel in die Lunge geraten, was meist eher keine guten Prognosen bedeutet, wenn ein Patient eh schon geschwächt im Krankenhaus liegt. Ich habe immer gewusst, dass irgendwann der Tag kommen musste, an dem mir das erste Mal ein Trachealkanülenpatient mit geblockter Kanüle begegnen würde. Dass es an diesem Donnerstag Vormittag geschehen sollte, damit hatte ich nicht gerechnet. Diagnose: Dilatative Kardiomyopathie. Klingt grausam? Und ob. Ein 20 m² großes Zimmer, vollgestopft mit Geräten, die permantent in den unterschiedlichsten Tönen piepen, Schläuche, die fauchen, Monitore, die blinken. Das Bett ist leer, als wir hereinkommen sitzt der Patient auf einem Stuhl daneben und sieht eine Meerestiersendung. Er wendet den Kopf zu uns, als wir ihn ansprechen, bewegt die Lippen, doch es kommt kein Ton. Um diverse Beurteilungen durchführen zu können, weist die Logopädin eine Krankenschwester an, die Kanüle zu entfernen. Der Beatmungsschlauch wird abgenommen und über eine Atemmaske, die vor dem Stoma liegt werden dem Patienten weiterhin 100% Sauerstoff verabreicht. Alles noch ziemlich in Ordnung für mich, neu eben. Dann kommt der Moment, in dem Schwester und Logopädin zusammenarbeiten. Die eine entblockt die Kanüle und die andere saugt das Sekret, das in die Luftröhre geraten ist, ab. Bislang hatte ich immer geglaubt, dass ich damit kein Problem haben würde, dass ich über die Ekelstufe von Schleim, Borken, Blutverkrustungen und Nahrungsresten hinweg war, doch mit einem Blick auf den Schlauch und das, was in ihm durchjagt, rebelliert mein Magen und der Würgereflex setzt ein. Zum Glück stehe ich neben der Tür und ich kann schnell in den Gang schlüpfen. Ein Team von Ärzten und Pflegepersonal sieht mich unerwartet an. Ja, ich muss kotzen! - steht wohl auf meiner Stirn geschrieben, denn sie weisen mir sofort den Weg. Vor dem Spiegel auf der Toilette merke ich, wie langsam ein Gefühl in meine Beine zurückkehrt, die Übelkeit versiegt und das Rauschen in den Ohren aufhört. Einen Moment gebe ich mir noch Zeit, die da draußen haben wichtigeres zu tun. Als wir die Station verlassen, gestehe ich der Logopädin, noch nie beim Absaugen zugesehen zu haben und es auch bei diesem einem Mal bleiben soll. Sie schaut irritiert, teilt meine Meinung darüber nicht. Ich glaube, ich habe mich heute entschieden und bin erleichtert. Eine Vertiefung in der Logopädie, die ich ausschließen kann und das nicht einmal sonderlich wehleidig. Minus eins, dafür bleiben noch ungefähr gefühlte Hunderte weitere.
Nach meiner wohlverdienten Mittagspause, werde ich weitergereicht an eine andere Kollegin, die Schal- und Schuhfrau. Doch heute geht es auf die Parkinsonstation und mit einem mal wird mir wieder bewusst, dass wir hier in einem Krankenhaus sind. Ich stelle fest, dass das Krankenhausarbeiten rein gar nichts mit dem gemein hat, wie ich es mir vorgestellt habe in einem Krankenhaus zu arbeiten. Im Augenblick weiß ich noch nicht, ob ich es wirklich besser oder schlechter finde, ob es tatsächlich oder gerade etwas für mich wäre. Aber ich habe ja auch noch Zeit, so eingefähr eine Woche, ein viertel Jahr, bis zum Sommer.