Neuro, Baby - I like I like
„Guck doch mal, kaum scheint die Sonne, schon haben alle wieder ein Lächeln im Gesicht!“, höre ich einen jungen Mann sagen, als ich gerade vom Krankenhaus in Richtung Praxis laufe und denke mir, wie Recht er doch hat. Zumindest trug der sonderbar frühlingshafte Tag mitten im Winter erheblich zur gehobenen Laune bei. Richtig, ich kam aus dem Krankenhaus, das war mein einer halber Tag und er war großartig. Neuro Baby, i like i like. Schon als mich am Morgen die Logopädin in der Eingangshalle mit so viel Freundlichkeit begrüßt und voller Enthusiasmus davon berichtet, dass wir als erstes bei einer Videofloroskopie dabei sein können, weiß ich, dass ich sie mag. Sie ist ungefähr so groß wie ich, trägt eine Brille und hat die süßesten Locken, die man sich vorstellen kann. Im Verlauf des Vormittags lerne ich also einiges dazu, wie man die Parkinsonerkrankung frühzeitig erkennen und diagnostizieren kann. Unter anderem durch einen Riechtest. Klingt einfach, ist es auch. Der Patient liest eine Karte mit vier verschiedenen Düften vor und bekommt anschließend einen davon unter die Nase gehalten. Das ganze gleich 12 mal hintereinander und wenn wenigstens die Hälfte richtig ist, dann gilt das Riechen als normal. Darunter wird es als eingeschränkt eingestuft und noch tiefer reden wir von einem kaum funktionierenden Sinnesorgan. Der Verlust des Riechens ist also ein starker Indikator für eine Erkrankung. Diese Untersuchung erfolgt aber nur, wenn die Patienten bei der Aufnahme auf der Station davon berichten. Jene, die schon ahnen, dass es ihnen mehr „Ärger“ macht, wenn sie es verraten, werden ohne Diagnose entlassen. Abgesehen von diesen Beobachtungen konnte ich außerdem einer Schlucktherapie bewohnen. Meine Aufzeichnungen zu den Mundmotorikübungen ähneln Funktionsgleichungen aus der 12.2 und lassen mich denken, dass es hier auf der Station doch besser ist, als im Klassenraum. A pro pros Schule: kaum bin ich am Nachmittag wieder in der Praxis, bekomme ich schon wieder schlechte Laune. Irgendwie ist es einfach so. Ja, gute Frau, ich habe tatsächlich meine Sorgen mit dem sch und dem ch. Ich verwechsle die gerne, aber nicht um sie zu belustigen, nee. Sie sind da nicht die Erste und dass ich damit kein Vorbild für Kinder bin, ist dabei fast das schlimmere Problemchen. Ich kann das nicht, muss es aber. Suche Logopäden, freiwillige vor! Das mit den Kindern muss ich mir noch mal überlegen, es ist eben einfach der Weg des geringsten Widerstandes. Gut möglich, dass man das durch Konfrontation abbauen kann. Ich sage kann, denn ist es wirklich ein Muss? Ich bin mir sicher: heute wurde wieder Traumjobs vergeben und auch wenn mein Name noch nicht im Topf war, kann ich mich ja erst einmal meiner Studie widmen. Studie? Ja, super Sache. Es geht darum logopädische Störungsbilder voneinander abzugrenzen und nach der genauen Diagnose, die sich im Verlauf von jahrelanger Therapie durch aus mal ändern kann, einen neuen Ansatz für die Behandlung zu finden. Bei dieser Arbeit kann ich gleich ein bisschen was über die Diagnostikverfahren lernen und meine Facharbeit schreiben. Diagnosen finden hm? Was ganz neues, aber irgendwie verlockend. Vielleicht sogar besser, als Kinder.