Stillstand

Einen Moment noch, ruhig bleiben, jetzt nicht hyperventilieren. Gleich muss es weitergehen und dann immer einen Fuß vor den anderen. Stillstand. Nichts passiert. Hunderte Köpfe um mich herum, fremde Menschen, zu nah und dennoch unnahbar. Jeder für sich selbst und niemals für die anderen.
Ich sehe den sich nähernden Bus, stecke mein Ticket wieder ein. Hier geht es nicht mehr darum, ob man bezahlt hat oder nicht, sondern ob die Türen sich noch schließen. Schnell schlüpfe ich also durch die letzte Tür. Das wars, weiter komme ich nicht. Stillstand. The XX mitsamt gleichnamigen Album werden von meinem iPod gespielt und ich denke an diese vertraute Melodie, als ich einen 11-jähirgen Jungen auf der Intensivstation kennenlerne. Als ich in das Zimmer herein komme, sehe ich das viel zu kleine Kind in seinem Stuhl hängen. Schläuche gehen in die Nase, verlaufen unter dem Pullover in den Bauch hinein. Einen Bauch, der aussieht wie eine Patchworkdecke, weil er in seinem Leben bereits so oft operiert werden musste. Seiner Körpergröße nach könnte er im nächsten Jahr eingeschult werden. Er hat keine Haare mehr auf dem Kopf, dafür aber den Mund und den Rachen voller Speichel. Als wir uns ihm nähern, sieht er kurz zu uns auf. Große, runde Augen, die so tief sind und nur eins bedeuten: Stillstand. Einzelne Schicksale, fremde Menschen und ein Schild, dass in Richtung Freiheit fährt. Wo auch immer das liegen mag, es ist der falsche Bahnsteig.

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