Ihr könnt die Torte wieder abbestellen
15.2.12
Es ist ein Irrtum zu glauben, Dinge würden passieren, nur weil wir sie wollen.
Stattdessen laufe ich viertel vor zwei an diesem noch so jungen Donnerstag Morgen durch die nun mehr seit 5 Wochen von mir bewohnte Stadt und frage mich, warum die Zunge entlang ihres Längsmuskels nur in der Mitte stimuliert werden soll. Warum nicht auch links und rechts davon? Also denke ich, dass ich auch mehr von der Straße belaufen sollte, auch wenn es furchtbar kalt ist da draußen. Überhaupt sind Mittelwege gar nicht immer die Lösung aller Probleme. Wie oft versuchen wir Kompromisse zu finden, um jemanden anderen glücklich zu machen, um der Gruppe zu gefallen oder einfach nur, um unsere Ruhe zu haben? Genau, sehr oft. Irgendwann haben wir uns dazu entschieden, wurden so erzogen oder von Erfahrungen geprägt: Den eigenen Kopf durch setzen zu wollen, ist manchmal schädlicher, als nachzugeben. Und doch, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wer nicht nachfragt, der bekommt nichts extra. Nur wer sich rührt und beschwert, dreht und wendet, kommt am Ende weiter. Oder? Was heißt dieses weiter schon? Neuer Lebensabschnitt, neuer Versuch? Der neuste vom Neusten. Ich kann es nicht mehr hören. Festhalten an Dingen die uns wichtig sind, das sollten wir wagen. Und da ist er wieder, die Erwartung an den anderen. Was will er/sie mir damit sagen und was soll ich selbst jetzt machen, damit er/sie zufrieden ist? Wir lassen uns oft darauf ein, übereilig Urteile zu fällen, beschließen einen Gedanken, noch eher er fertig ist und haben gehandelt, noch bevor wir so weit waren. Oder passiert das doch nur in der Jugend und alle über 25 sind davor bewahrt? Wohl eher nicht. Wer schon immer zu einem derartig verunsicherten Charakter gezählt hat, wird sich auch später schlecht davon abhalten lassen, aller 4 Minuten auf sein Telefon zu schauen, ob er/sie sich vielleicht doch wieder gemeldet hat. Das einzige was da noch hilft ist Zeit. Zeit haben, Zeit lassen, Zeit gönnen. Und weil ich davon scheinbar unendlich viel zur Verfügung habe, schreibe ich diese Zeilen. Wenn ich gut wäre, würde ich in drei Stunden aufstehen und mich auf den nächsten Tag vorbereiten. Ich bin aber nicht gut und stelle meinen Wecker darauf, mich stattdessen noch eine Stunde länger schlafen zu lassen.