Little Black Submarines

22.2.12


Lichter blenden auf, ebben wieder ab. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung, eine Ampel, eine Stadtgrenze. Dunkelheit herrscht draußen, drinnen fühle ich mich sicher. Die Stimme des Sängers der amerikanischen Bluesrockband The Black Keys dringt an mein Ohr und singt von gebrochenen Herzen, die blind sind. Weil ich glaube zu wissen was Dan Auerbach meint, gehe ich in dieser Nacht zurück zum Ausgangspunkt und finde mich irgendwann selbst.
Da sind zwei junge Menschen; nicht schwarz und weiß, nicht Paul und Paula, nicht Kopf oder Zahl, nein, sie leben mitten unter uns und gehen ihren Weg so gut sie können. Konnten, können, konnten – ich weiß nicht so recht, was die beste Bezeichnung ist. Aus dieser Konstellation werde ich einfach nicht schlau. Sie leben in dieser winzigen Stadt, lieben sich, können sich vorstellen ohne einander zu sein – zumindest zeitweise – finden wieder zueinander und werden wieder auseinandergetrieben. Gerade eben klagt er noch, lässt einmal alles raus, lässt sich aus und im nächsten Atemzug gibt er ihr die nächste Chance. Warum dieser Wandel? Weil er selbst nicht wirklich will, dass es endet; sich noch nicht an den Gedanken gewöhnt hat allein zu sein oder noch keine andere in Aussicht hat? Das sind sie doch, die Dinge die wir über Männer sagen, wenn wir gerade einmal nicht selbst davon betroffen sind. Doch wie es tatsächlich um sein Herz steht, kann wohl keiner sagen. Da ist Bewegung und da ist auch Licht, doch wie es ausgeht, weiß man noch nicht...
Währenddessen nun der eine von beiden tieftraurig auf der Ende der Woche hofft und der andere die Zeit gern noch ein wenig länger hinauszögern würde, komme ich wieder zu mir.
Ich sitze hier auf dem Sofa und sehe einem Mann zu, wie er eine Wand mit weißer Farbe bemalt, finde Gefallen an dem Rotwein, entdecke die Praxis als etwas Neues, könnte mir vorstellen in drei Wochen mit meiner Mentorin per du zu sein, nach Wochen der Kühle; werte auch nach 20 Uhr noch gern Diagnostikbögen aus und ziehe die Arbeit allen Jane Austen-Romanen und den grandiosen Vouge-Artikeln vor. Bei all den Veränderungen, Annahmen, Einsichten, habe ich dennoch nur einen Gedanken im Kopf bei den Klängen von „Little Black Submarines“: egal was ihr heute Abend, in diesem Monat oder in drei Jahren machen werdet, ihr könnt nichts dafür. Ihr seid blind und müsst mit einem Sinn weniger durch die Welt wandeln.
Als ich vor zwei Monaten hier her kam, konnte ich noch nicht wissen, was mich erwartet. Dass es mir die alle Sinne wiedergeben und mich jetzt mit weit aufgerissenen Augen ins Ungewisse laufen lassen würde, wie konnte ich das schon ahnen? Und doch, es hat sich noch nie so gut angefühlt etwas nicht zu wissen und ich kann mich nur wiederholen: von hier betrachtet, sieht es ganz schön gut aus.  

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