2:2 für die Klinik
Drei LSTV-Hospitationen nacheinander werden mir durch den bequemen Ohrensessel in dem ich sitze versüßt. 135 lang ausgehaltene A's am Stück zu hören, kann schon recht „eintönig“ werden. LSVT? Was soll das sein? Das, nach der ersten mit dieser Methode behandelten Patientin Lee Silverman benannt, Voice Treatment, also ein Stimmtraining, ist es ein logopädisches Intensivprogramm um an Parkinson erkrankten Menschen mit einem eingeschränkten Tonhöhenumfang und einer zu leisen Stimme zu einer kräftigeren, lauteren Stimme zu verhelfen. Ein zu langer Satz? Nein, 15 mal so lange und laut wie möglich „a“ zu sagen und das drei Mal pro Sitzung, das ist anstrengt, soll aber nach dem vorgeschriebenen Abwendungsprogramm: 1h täglich, 4 mal die Woche und dass vier Wochen lang, tatsächlich zu einer lauteren und melodischeren Stimme des Patienten sorgen. Wenigstens für 2 Jahre, glaubt man den besten Studien, die die Erfinder gleich in ihrem Handbuch selbst mit abgeben.
Zur Mittagspause geht es in die Cafeteria. Zwischen all den weißen Kitteln, Namensschildchen und wichtig wirkenden, aber angeregt plaudernden Grüppchen an den Tischen fühle ich mich wohl. Ab und an tönen besonders interessante Gesprächsthemen durch die man wohl sonst bei keiner anderen Mahlzeit dulden würde. Auch wenn die LSVT-Arbeit und Besuche auf der Gerontopsychiatrie eher Minuspunkte auf der Klinikskala verursachen, anatomische Fachgespräche finde ich irgendwie sexy. Genug Spaß gemacht, wer a sagt muss auch b sagen. Be wie Ge in Gruppentherapie. Viertel 3 geht es in den Aufenthaltsraum mit erst nur 9 Patienten, die alle einigermaßen gut drauf gespannt darauf warten, was als nächstes mit ihnen passieren wird. Gerade als die Logopädin angefangen hat, klopft es an der Tür und noch zwei weitere Patienten, die sich ins Dachgeschoss der Klinik verirrt haben, wollen an der Sitzung teilnehmen. Am Anfang stehen da ein paar Gesichtsübungen, dann darf jeder eine These zum Thema Lebensmittel/Ernährung so laut wie möglich vorlesen und an der Gesprächsrunde teilnehmen: Stimmt die Behauptung oder nicht? Am Ende kam auf jeden Fall raus, dass Meissner BIO-Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern gemischt wird und deswegen abgelehnt werden sollte und für mich ganz persönlich habe ich noch mitgenommen, dass Kaffee auf gar keinen Fall den Körper entwässert. Gott sei Dank! Zum Abschluss gab es noch ein Liedchen, nach 30 Minuten dürfen sie wieder gehen. Hm, denke ich, ist es jetzt das, was ich wollte? Irgendwie nicht. Bei verlassen der Klinik stolpere ich noch über meine Tante, die auch auf dem Gelände arbeitet. Wir können also gleich das Mittagsmenü für den Sonntag besprechen und Gründe aufzählen, warum ich am Wochenende nicht nach Hause fahre. Ach ja, Kleinstadtleben eben – da ist jeder schon wieder auf dem neusten Stand.
Hat jemand mitgezählt? Ich sollte langsam anfangen meine Posts noch mal durchzugehen für die Pro-& Contraliste, wird langsam ernst.