Es muss doch an der goldenen Haarspange liegen
Als am morgen mein Handy 7:11 klingelt, braucht es ein paar Sekunden bis ich begreife, dass das gar nicht der Wecker ist. Meine Mentorin ruft an und fragt, ob ich bei ihr den Schlüssel für die Praxis abholen will, sie ist nämlich krank und niemand anderes an diesem Tag in der Praxis. Das heißt, die Patienten kommen schon, wenn ich bereit bin zu therapieren – nur sonst wäre ich auf mich allein gestellt. Weil ich das schon irgendwoher kenne und als einzige Frage ihre Adresse für mich offen bleibt, sage ich zu. Dank meines allerliebsten Lieblingshandys (Danke Papa :*), finde ich ohne Probleme zu ihr und muss mich schon fast kneifen, um noch zu merken, dass das alles real ist. Ich weiß noch genau, wie ich sie vor zwei Monaten am liebsten auf den Mond geschossen hätte und jetzt spielte ich winke winke mit ihrem kleinen Baby.
Noch eins: CHEMNITZ ich komme!!! Mach dich auf was gefasst.
Super denke ich, noch ein Schlüssel mehr am Bund, wenn das so weitergeht, passt bald keiner mehr dran. Und noch etwas geht mir an diesem Morgen nicht aus dem Kopf: Chemnitz kann kommen. Bis zum Feierabend würden noch einige Stunden an diesem Tag vergehen, aber als es dann so weit ist, weiß ich eins ganz genau: Ich fahre schon morgen nach Hause! Euphorie, die meinen ganzen Körper durchstrahlt und hippelig von einem Bein auf das andere wechseln lässt. Fast brauche ich schon wieder eine Erinnerung, dass das alles kein Traum ist, wenn da nicht der Wermutstropfen bliebe. Mit einem mal sind meine zwei letzten Wochen hier schon beinah wieder Vergangenheit. Dann heißt es: „Wir sehen uns heute zum letzten Mal, nächste Woche gehe ich wieder zur Schule.“ und ich werde beginnen das ganze Haus von oben bis unten nach meinem Kram abzusuchen, den ich hier großflächig verteilt habe in den vergangen Wochen. Manche Menschen werde ich vielleicht nicht gleich wieder sehen, andere hoffentlich bald und ganz bestimmte so oft es eben geht. Wenn ich ständig eure ganzen Festivalkarten sehe, die ihr fotografiert und hochladet, bin ich gar nicht traurig; ich habe in diesem Sommer schon was vor: ich möchte die beste Logopädin werden, die ich sein kann! Und wisst ihr was? Ich bin auf dem besten Weg dahin. Machen Schritt 1: check! Motivation gefunden, Ziel einem Stück näher gerückt. Und wenn mein Vertrauen nächste Woche doch mal wieder nach dem Gleitbogen nicht mehr zurück aus dem Keller gekommen ist, nehme ich einfach meine Haarspange und erfreue mich daran, dass sie immer Glück bringt, wenn ich sie trage.
Noch eins: CHEMNITZ ich komme!!! Mach dich auf was gefasst.