Gibts du mir Kaffee bin ich dein Freund ich trink zu viel davon - leider geil

“Holen Sie sich Lust gegen den demographischen Wandel!”, Fazialisübungen zur Motivation im Unterricht und Breitband-Materialaustauschen über die Bankreihen hinweg: kaum 2 Wochen zurück und wir sind mitten drin. Von Traumdeutungen unser hochverehrten Professoren und Traumata, die Seele, Körper und Praktika betreffen. Es gibt viel zu bereden und noch mehr zu erzählen, sodass ich bisher noch nicht einmal wieder dazu gekommen bin, einen weiteren Blogeintrag zu verfassen, wie ich es angekündigt hatte..."Weg mit den Büchern, weg mit dem Regal, mein neuer Flatscreen - leider geil!" Aber zurück zum Anfang: um eine Zahl hat sich die Klassenstärke erhöht und löst entzückte Ausrufe wie “oh” und “ah” hervor, wohin er auch getragen wird. Ihr wisst, von wem die Rede ist. Und da der Kleine sogar am Unterricht teilnimmt, lässt es nur eine Vermutung zu: Das wird mal ein ganz kluger! Zumindest, was die Physiologie des Stimmklangs und altersgerechtes Wohnen mit demenziellen Erkrankungen betrifft. Ich selbst bin noch ziemlich genauso, wie vor dem Praktikum: wie immer leicht zu spät, aber dafür hochmotiviert! 2 Stunden vor dem Losfahren zur Schule reichen nicht aus, um tatsächlich mit allem fertig zu werden, was ich mir für den Morgen vorgenommen habe. In meinem Kopf sind gerade so viele Gedanken auf einmal, dass nicht einmal ein Ohr abschneiden helfen würde. Vielleicht liegt es an der Überdosis Milchkaffee, die ich mir in den vergangenen beiden Stunden zugeführt habe. Vielleicht am Schlafdefizit, denn nachdem Emma endlich erkannt hatte, dass sie Mr. Knightley liebte, war mein Schlafrhythmus ein reines Durcheinander. Vielleicht sind aber auch meine mangelnde Aufmerksamkeit auf Grund der Flut von Eindrücken um mich herum dran schuld. Vielleicht kommt es von der Idylle von Euba, dem sonnendurchfluteten Wald, der mich nach draußen lockt und zu dieser Zeit schon Bilder machen lässt. Ich habe zwar noch nicht die Ergebnisse ausgewertet, bin aber der Meinung, dass das richtige Motiv noch nicht dabei war. Vielleicht liegt es auch an dem Ausblick über Chemnitz, wenn ich von Augustusburg kommend einen Moment glaube, dass die Stadt wirklich groß wäre. Vielleicht ist sie das wirklich, immerhin habe ich in der vergangenen Woche durch kräftiges in die Pedale treten am eigenen Leibe erfahren, durch wie viele Stadteile ich fahren muss, um zur Schule zu kommen und kann ehrlich zugeben: Chemnitz ist groß genug!
Vielleicht bin ich im Augenblick zu euphorisch, wegen den ganzen Überlegungen; vielleicht komme ich wegen Selbigen auch gerade zu spät. Vielleicht hatte ich eben mal wieder die große Klappe, “tut mir Leid - tut mir nicht Leid!” - einer muss ja den Kopf hinhalten. Gern geschehen, übrigens. Vielleicht, weil sich das anschließende Fach als Tyrannei herausstellen wird und ich aussteige. Vielleicht, weil ich als eine ausgewählte Person mein Essen in DER Mikrowelle schlechthin warm machen darf und andere 20 Minuten anstehen, bis die Pause vorbei ist. “Du hast wohl bei den Umschülern ein Stein im Brett?!” - Nein, im Schuh, raus damit und noch ein Tässchen Kaffee. Vielleicht weil ich es für nötig halte wieder etwas zu schreiben; vielleicht schreibe ich, weil ich notwendig ist.
Um ehrlich zu sein: ich bin ganz schön nervös. Finger zappeln, Haar hinters Ohr, Armbewegung, Haar wieder vor, Nase krabbeln, Tintenflecken wegrubbeln, Kopfbewegung, Füße verschränken, Stirn kitzelt, Haare weg,…"Diagnose Psychose mir doch egal, wenn man hippelt vor dem Aufstehen - leider geil!"
Das ist es, es gibt kein vielleicht, entweder man tut es, oder nicht.
Etwas anders, was wir tun, hat mich schockiert, ich will davon berichten, hoffentlich fühlt sich niemand angegriffen. Kurz soll der Fall geschildert werden, soweit er mir in der Erinnerung geblieben ist. Die Ausweisung im Stundenplan lautete PA für Praktikumsauswertung, das heißt genauer für Falldarstellungen, Kennenlernen neuer Diagnostikverfahren und erfahren neuer Erkenntnisse: Was zum Teufel bilden wir uns eigentlich ein? Ein seit 40 Jahren in Deutschland lebender Italiener erleidet einen Schlaganfall und hat außer ein paar italienischer Wörter die Sprache “verloren”. Seine deutsche Ehefrau hingegen spricht fließend italienisch und seit dem Vorfall nur noch in seiner Muttersprache mit ihm. Auf die Anweisungen des logopädischen Personals, mit ihm Deutsch zu sprechen, ging die Ehefrau nicht ein. In der Falldarstellung hieß der Satz so: “Wir haben der Ehefrau gesagt, sie soll deutsch mit ihm sprechen, hat sich aber geweigert!!!” Drei Ausrufezeichen im Satz und im Gesicht der Referentin. Als ob wir tatsächlich darüber bestimmen dürften, was für die Familie das Beste ist! An welcher Stelle sind wir dazu übergegangen aus Empfehlungen Befehle zu machen und unsere Patienten und deren Angehörige wie Feinde zu behandeln? Mich hat es geschüttelt, aber weniger, wegen der Nervosität, sondern wegen meiner innerlichen Aufregung. Hoffentlich werde ich mich immer genügend selbstkritisch sehen und niemals anfangen zu denken, ich dürfte über jemanden anderen außer mich selbst bestimmen..."In diesem Lied hat sich gar nichts gereimt, hat NIEMAND GEMERKT!– leider geil!"

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