Man trifft sich immer zweimal im Leben

Au Backe, denke ich mir heute, als ich auf der Gerontopsychiatrie zwischen all der Inkontinenz und Demenz auf ein bekanntes Gesicht treffe. In diesem engen Gang und zu Gange an ein und dem selben Patienten, wachen Erinnerungen von vor sechs Wochen und einer Faschingsveranstaltung wieder auf. An diesem besagten Abend, als die Musik schon aus und das Licht wieder an war, fand ich die falschen Worte und traf genau ins Schwarze. Beleidigt gingen wir damals auseinander und falls er mich heute auch erkannt haben sollte, wäre wohl eine Entschuldigung fällig gewesen. Aber entweder fand er den Boden spannender oder war verschämt, ich weiß es nicht. Vielleicht findet sich ja noch mal der passende Anlass oder ich lache noch ein paar mal drüber und dann ist die Sache auch vergessen. Man trifft sich eben doch immer zwei Mal im Leben, ob man will oder nicht. In meinem Freudschen Sessel auf der Neurostation 2 zurückgekehrt, übe ich in Gedanken die Tonleiter auf- und abwärts. Kein Scherz, ich bin so unmusikalisch wie...ich glaube es gibt fast nichts, was unmusikalischer wäre, vielleicht noch ein Chemieprofessor, aber ich will es dann doch nicht auf die Spitze treiben. Musik ist toll, wirklich, aber ich kann weder tanzen noch Noten lesen und singen ist nun wirklich echt das Letzte! Egal, in der Untersuchung einen Patienten später, muss ich es dann vormachen. Ich habe geübt, vor dem einschlafen, beim Kaffeemaschine füllen, beim Frühstücken, im Bad und jeder der mich gehört hat sonst noch wo, aber geholfen hat es trotzdem nicht „von der Mitte bis nach oben“, wie es die Logopädin in der Auswertung so schön gesagt hat. Ich fand ja, dass ich das gut gemacht habe und unglaublich stolz darauf sein kann. Immerhin bin ich nicht wie beim letzten Mal einfach im Erdboden verschwunden. Kurze Randnotizen die ich heute während meiner Hospitationen gemacht habe: „Woody Allen Film mit Carla Bruni“ (der Eiffelturm an meinem rechten Handgelenk brannte gerade mal wieder so sehr, dass ich daran dachte wie schön es wäre, Paris im Frühling zu sehen), „Parkinson und Politik – ähng – du bist raus!“ (ihr müsst wissen, dass manche Parkinsonpatienten während des sprechens schneller und leiser werden. Wenn es dann noch um so Themen wie Parteifunktionäre der DDR geht, dann weiß man gar nicht mehr, wo einem die Ohren gewachsen sind.) Und ein dritter Satz, den ich hier gerade finde: „Abschlussfeier Log 26“ (Wird bestimmt super, soll ich schon mal im PEB anrufen? :)) Außerdem haben wir heute beim Mittagessen beschlossen, dass wir Clueso trotzdem lieben, auch wenn er arrogant in der Phoniatrie an uns vorbeilaufen würde, so, wie es einige Kolleginnen erlebt haben. Guter Abschluss, für die 8. Woche. Abschluss genau, ich habe Wochenende, schon einen Tag früher [...] Ich bin zu Hause, wenigstens für drei Tage. Alles andere wird sich ergeben, habt ein schönes Wochenende.

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