Time Falls

In der vergangenen Woche hatte ich genügend Zeit mir etwas zu überlegen, womit ich den Blog schließen könnte. Da ich nicht mehr auf Reisen bin und nun wieder der Alltag im beschaulichen Chemnitz beginnt, würde die Schreiberei wohl ziemlich schnell ihren Höhepunkt in der Umschreibung aus Chinanudeln kaufen, Rad fahren und Mädelsabendrunden finden. All meine täglichen Notizen, die Dinge die es wert gewesen wären ihren Platz auf dieser Seite zu finden, sind mit etwas Abstand oder auch nur ein, zwei Tagen Reifung zu wahren Randnotizen geworden. Für mich, als Überlegung, aber keineswegs für die Öffentlichkeit bestimmt. Interessantes hat sich trotzdem getan. Ich kann jetzt sagen, den ein oder anderen von hier besser zu verstehen, bin über mich selbst hinausgewachsen und habe noch dazu aufgehört anzufangen aufzuhören. Wunderbare Satzkonstellation, missbraucht von schon so vielen Künstlern vor mir. Fakt ist aber doch, dass es funktioniert hat. Und das macht es mir möglich spontanen treffen auf der Straße zuzusagen und zu einem Spaziergang einzulenken. Die Zeit hier mag schnell vergangen sein - doch was sind schon 9 Wochen? In Wirklichkeit doch nichts. Was ist dazu im Vergleich ein Monat und wie können wir nach nur so wenigen Tagen und Nächten schon von Zukunft sprechen, wenn wir es noch nicht einmal schaffen unseren Nachrichtenausgang richtig zu kontrollieren, ob auch wirklich alles versendet wurde?! Ein Vorwurf? Nur gegen mich selbst; gefühlt kennen wir uns statt der tatsächlichen sechs Wochen volle sechs Monate. Ich werde mich bessern, versprochen!

Wieder in Chemnitz begann der erste Tag gleich mit einer Menge freundlicher Gesichter, vielen Umarmungen und lieben Worten. Neben der musikalischen Einlage in Turnhallenoptik, konnten wir an diesem Abend auch die ein oder andere fantastische Sternschnuppe beobachten. Die erste hatte es uns dabei besonders angetan. Sie fiel so langsam und war so deutlich und wenig fern, dass wir etwas Zeit brauchten, um uns sicher zu sein. "Du musst dir noch was wünschen!", habe ich gerufen und hatte dann selbst keine Zeit mehr dazu. Vielleicht sollten wir unser Glück weniger oft dem Zufall überlassen sondern viel mehr selbst angreifen: rechnen Sie mit meiner Bewerbung, nur kaufen müssen Sie sie schon selbst. - so etwa? Ja möglich, aber wohl schon wieder zu forsch, was allgemeinhin leider mit Frechheit verwechselt wird. Esprit, Naturell und Ehrlichkeit werden nicht geduldet, wenn man um den eigenen Arbeitsplatz bangt. Arm und traurig, statt lieb und teuer; wir können schlecht mit jedem den wir kennenlernen befreundet sein. Ich jedenfalls nicht, denn „Ich hasse das!!“, wie Katja Hofmann jetzt ganz bestimmt sagen würde. Und sie hätte natürlich recht. Als ich heute bei der Post anstand um Briefmarken für meine Bewerbungsschreiben (ausschließlich an Praxen adressiert) zu kaufen, musste ich unweigerlich an sie denken und lies meinen Gedanken freien Lauf. Den Ausgang fand ein Gespräch an der gemeinschaftlichen Frühstücksrunde und der Gegenstand meiner Erregung war eine Bewerbungsmappe. Deswegen fing ich auch damit an: „Ich hasse Bewerbungsmappen, ich hasse gekünsteltes Lachen, ich hasse die meisten Witze und lache deswegen nie, wenn es am Ende erwartet wird – ich hasse das. Ich hasse es wegen etwas zu grübeln, von dem ich nicht weiß, wann es passieren wird, ich hasse es rumzustehen und zu warten, ich hasse es versetzt zu werden und komme selber zu oft zu spät – ich hasse das...“, so in etwa, dann wurde ich an den Schalter gerufen. Bewerbungsmappen hatte ich natürlich nicht und ich bin immer noch der Überzeugung, dass ich die nicht leiden kann. Schlecht war mir nach dem Abgeben trotzdem. Jetzt liegt es nicht mehr in meiner Hand, Warten lautet die Devise. Und weil ich so gespannt bin und meine Reise gefühlt doch noch nicht zu ende ist, habe ich beschlossen einfach weiterzuschreiben. Vielleicht heißt es ja dann bei der nächsten Begegnung im Schulhaus nicht nur: „Wir haben die ganze Zeit gewusst, was du machst!“, sondern: „Hey, ich hab mich in deinem Text gestern wiedererkannt ;)“

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