Keine Zeit

Das ich nicht fertig geworden bin liegt daran, dass ich nie irgendwas auf Knopfdruck kann. Aber (!) ich habe das, was ich bisher geschrieben habe selbstkritisch und mit den extrem wachen Augen eines potentiellen Lesers durchgearbeitet. Meine Feststellung: nur weil ich etwas im Kopf habe und es deswegen für überflüssig halte es in den Kontext einschließen zu lassen, muss ein anderer mich noch lange nicht verstanden haben. Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit sogar. Das Gute an der letzten schlaflosen Nacht war also, dass ich jetzt sagen kann noch lange nicht fertig zu sein. Da braucht es schon mal noch ein paar Tassen Kaffee und keine Zeit mehr. 


Keine Zeit mehr? Ja genau, ich habe meine Wochen bis zum 20. Juli – dem offiziell letzten Schultag – geplant und zumindest für die kommende Woche eingeteilt, an welchem Tag was zu lernen ist. Ob das übermotiviert oder einfach nur bescheuert ist, weiß ich noch nicht. Fest steht, dass ich erst nach freundlichen Hinweisen auf den Fehler in meiner ganzen Berechnung gestoßen bin: für anderes habe ich keine Zeit mehr. In Ordnung, was ist schon Zeit? Ihr wisst, für fünf Minuten Freiheit im Kopf tun wir manchmal viel. Dabei werden gerade dieser Tage die Minuten zu Sekunden und das ist am Ende weniger als ein Augenaufschlag. Ich atme also ein letztes Mal den giftigen Qualm, fühle einen Moment nicht die Anspannung, habe aufgehört zu denken. Sobald ich den Klassenraum wieder betrete, kehrt der Stress zurück. Wahrscheinlich können wir noch nicht einmal was dagegen tun, aber 19 aufgeregte Hühner und ein Hahn in roten Hosen machen es nicht gerade besser. Eigentlich habe ich auch keine Zeit hierfür berechnet, aber was gesagt werden muss, darf nicht vorenthalten werden. Das ist nämlich ungesund! Sehr sogar. Also, lasst alles raus. 


Beinahe hätte ich es vergessen (hatte ich schon, aber man kann hier ja alles bearbeiten ;)): Ich habe endlich einen Patienten bekommen. Dieses mal war auch ein Umschlag für mich dabei. In zwei Wochen geht es also los und ich freue mich darauf, wie ein Kind. Kind ist auch das Stichwort. Ich kenne zwar noch nicht sein konkretes Störungsbild, aber weiß schon mal mit welcher Zielgruppe ich mich beschäftigen werde und welcher Hefter in der nächsten Zeit unter meinem Kopfkissen liegen wird.

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