Dorchester Hotel
Schlafen in fremden Betten und aufstehen in anderen Städten, zurückkommen und wissen wo man ist. Nochmal drüber nachdenken, die Augen kurz wieder schließen, den Kopf zurücklehnen, die wirklich letzte Zigarette rauchen...
Als ich heute Abend nach Hause kam,
musste ich feststellen, dass ich schon seit einer Woche nicht mehr
einfach nur hier war. Das heißt, durchs Haus laufen, ohne schon die
nächsten drei Schritte und 24 Stunden vorplanen zu müssen, auf
einen Stuhl setzen und Zeit für ein Gespräch haben ohne gleich
wieder zu fahren. Ich habe keinen Stress, nein, ich bin nur gerade
unfassbar beschäftigt. Dank meines Bemühens schon vor Wochen einen
Lernplan aufzustellen, glaube ich immer noch gut voranzukommen, habe
allerdings bald keine bunten Farben mehr zur Verfügung, um neue
Termine und Lieblingstreffen in meinem Kalender unterzubringen. Wenn
dann noch mehrtägige Geburtstagsfeiern und Familienurlaube
dazwischenkommen, kommt einem das eigene Bett doch recht fremd vor.
Jetzt sitze ich hier vor einer Belegarbeit, die so weit
zurückliegt, dass ich sie im Prinzip auch gr nicht mehr ansehen brauche.
Morgen ein letzter Vortrag, der letzte in 16 Jahren Schule und wohl
auch der schlecht vorbereitetste. Und das schlimmste daran: es ist
nicht mal mehr wichtig. Es ist so egal wie eine Klausur am
Montagnachmittag in einem merkwürdigen Fach und mit noch
fragwürdigeren Tafelbildern. Mut zur Lücke und Tendenz zum
Gleichmut. Wir sind drei Wochen vor den Prüfungen genau dort, wo wir
hinwollten: Ich glaub, ich geh zurück ins Hotel, da war es doch gar
nicht so schlecht.